Die Geschichte der donauschwäbischen Blasmusik

Durch die k.u.k. Militärkapellen, von denen es Mitte des 19. Jahrhunderts 104 Orchester gab, kamen die Umsiedler mit der Blechmusik in Berührung. Das Vorbild dieser Militärkapellen führte dann schließlich zu zahlreichen Gründungen von Blaskapellen im böhmischen Raum, dem Banat, der Batschka, in Ungarn, Siebenbürgen bis hinunter nach Galizien, wobei die ausgedienten Militärmusiker als musikalische Stütze wirkten. Später wurden diese Kapellen dann zum wesentlichen Bestandteil des Brauchtums. Sie spielten auf Kirchweihfesten, bei Hochzeiten, Feuerwehr- und Vereinsveranstaltungen sowie sonntags im Dorfwirtshaus. Aber auch beim Trauerzug oder am Grab war die Blaskapelle oft vertreten.

Die melodienreichen, gemütvoll gespielten Tanzstücke wurden unter den Kapellmeistern oft ausgetauscht oder auch aus anderen Ländern bestellt. Auf der Suche nach neuen Stücken entdeckten viele Kapellmeister auch ihr eigenes Talent. Die von den Dorfkapellmeistern geschaffenen Polkas, Ländler und Walzer spiegeln auch etwas von dem Gemüt der Menschen wieder. Man kann somit diese donauschwäbischen Weisen als vom Volk gekommene Melodien und somit als echte Volksmusik bezeichnen. Rhythmus, Melodie und Klangkörper verleihen der donauschwäbischen Blasmusik ihren eigenen, eigentümlichen Charakter. Charakteristisch ist auch die Instrumentierung sowie die ausgeglichene, gemütvoll vorgetragene Spielweise, wie Robert Rohr es in seinem Buch "Unser klingendes Erbe" Band II auf Seite 241 schreibt.

Da Anfang des 20. Jahrhunderts viele Donauschwaben nach Amerika auswanderten, wurde die Musik auch dort sehr schnell verbreitet und weitergepflegt. Zwischen den beiden Weltkriegen entstanden durch die eingewanderten donauschwäbischen Kapellmeister in den USA an die 300 Schallplatten. Ihre Produktion ist verbunden mit so bekannten Namen wie: Peter Müller - Peter Stahl - Peter Laut - Franz Batis - Ernest Ballena - Johann Krämer - Johann Krachtus - Adam Weißmüller Kapelle Unterweger aus Orzidorf - Bauernkapelle C. Metterle - Kapelle Koskas - Schwabenkapelle Lowitz - Schowische Veteranenkapelle etc.

Teilweise enthielten die aufgenommenen Musikstücke schon damals Erinnerungen an die alte Heimat, was zum Beispiel in den Titeln "Gruß an Triebswetter"; "Hatzfelder Ländler", "Der Neubanater Peter", " Betschkereker Heimkehr" und "Rosen aus Banat" zum Ausdruck kommt.

In der alten Heimat wurden auch schon sehr früh Liedtexte zu den Kompositionen geschrieben. So schrieb bereits am 8.9.1877 Johann Rezats einen Text zur "Jockel-Polka" und Josef Hoffmann schrieb zur "Hansi Polka" von Johann Steibl einen Text. Er stammte aus Karlsdorf. Von ihm ist auch der Text zur Polka "Umarmung". Ein weiteres Beispiel ist das Stück "Mädchen, lebe wohl" von Josef Engler und das Lied "Mariechen", das auf Rudolf Reisner zurückgeführt wird. Der Werschetzer Lehrer, Josef Loffl, schrieb ebenfalls viele Texte zu Blasmusikkompositionen. Von Thomas Thaller stammt zum Beispiel der Text "Ein Liebestraum" ab.

In Amerika wurde vor allen Dingen Michael Friedl mit seinen Kompositionen bekannt. Viele Kapellen aus dem donauschwäbischen Raum waren schon sehr früh in Europa und den USA auf Konzertreisen. Es waren insbesondere Knabenblaskapellen. Hierzu gehören zum Beispiel:

  1. Kretschan mit seinem Kathreinfelder Jugendblasorchester ( Er war u. a. in Südamerika und auf der Rückreise auch in Frankreich)
  2. Peter Bogar
  3. Steiner aus Lovrin
  4. Johann Unterweger, der bis 1926 immer wieder im Ausland spielte.

Die Musik wurde von den Zuhörern begeistert aufgenommen und die Melodien immer mehr verbreitet. So wurde zum Beispiel im Jahre 1935 im Berliner Deutschlandsender eine Sendung mit Titeln von Silvester Herzog ausgestrahlt.

Der Konzertaufbau im Ausland glich sich mehr oder weniger immer wieder. Bei Lambert Steiner war er zum Beispiel wie folgt festgelegt:

  1. Marsch
  2. Ouvertüre
  3. Konzertwalzer
  4. Charakterstück
  5. Opern-, Operetten- oder Lieder-Potpourri
  6. Pause
  7. Nochmals die gleiche Reihenfolge

Lambert Steiner war auch einer der im Ausland bekanntesten Kapellmeister. Ein kleiner Auszug soll seine Auslandskonzertreisen widerspiegeln:
1870 Deutschland, Schweden, Russland, USA
1876 Schweden
1884 - 1904 je ein Sommerkonzert in Schweden (Stockholm)
1903 Südafrika
1908 London
1914 Hatzfeld, wo er aber bereits auch schon früher aufgetreten war.

Die Kapellen waren damals mehr oder weniger gleich besetzt, was ebenfalls am Beispiel von Lambert Steiner aufgezeigt werden soll:
9 B-Klarinetten in drei Stimmen verteilt 2 Flöten, 1 Piccolo, 2 Oboen, 2 Es-Klarinetten, 2 B-Bass Klarinetten, 1 Alto-Saxophon, 4 Flügelhörner in B auf 2 Stimmen verteilt, 4 B-Trompeten, wovon eine die ganze Melodie mitspielte, 2 Es-Althörner, 3 Posaunen, 3 Bassflügelhörner, 3 Euphoniums (teilweise Melodie), 4 Waldhörner in F, 2 Tuben, Bambardons, 2 B-Helikons, 3 Jungen am Schlagzeug und Glockenspiel, 1 Streichkontrabass.
So war zum Beispiel der Kirchweihmarsch von Georg Wagner aus Deutschsanktpeter 21-stimmig geschrieben. Er lebte von 1883 bis 1965. Adam Prohászka aus Warlasch, der von 1880 bis 1971 lebte, schrieb den Nikolaus von Lenau Marsch ebenfalls 21-stimmig.
Schon sehr früh ging dann die Besetzung der Kapellen auf die Normalbesetzung zurück. Das lag darin begründet, dass nicht immer so große Räumlichkeiten und nicht genügend Musiker zur Verfügung standen. Meistens waren die Kapellen dann so, wie die Kapelle von Adalbert Sebastian aus Ernesthaza (Auftritt am 31.7.1902) zusammengesetzt: Clarinetto Es, Clarinetto B, Flügelhorn 1B, Flügelhorn 2B, Bassflügelhorn B, Euphonium B, Tromba 1 Es, Tromba 2 Es, Tromba 3 Es, Bass 1 F, Helikon 1 F, Tambour piccolo und Tambour grande.

In dieser Zusammensetzung wurde zum Beispiel aus der Ouvertüre von H. J. Schneider "Im Zauber des Frühlings" gespielt.

Kleine Besetzungen waren in der alten Heimat waren wie folgt zusammengesetzt:
Es-Klarinette, B-Klarinette, 1. Flügelhorn gegebenenfalls auch 2. Tenorhorn, F-Bass, Begleitung je eine Es- und eine B-Trompete, das Schlagzeug fehlte oft ganz.
Schon in sehr früher Zeit wurden von vielen Kapellmeistern eigene Kompositionen geschrieben. So sind beispielsweise von der Kapellmeisterdynastie Mayer ( Peter, Hans und Florian) aus Csavoly in Ungarn an die 462 Musikstücke bekannt.

Weitere Heimatkomponisten, die Konzertstücke komponierten:

Hierzu gehört unter anderem auch Peter Hochstrasser aus Lenauheim (1880-1967). Von ihm stammen zum Beispiel: die Konzertwalzer "Die Launenhafte" und "In lauschiger Nacht" sowie die Konzertpolka "Die lustigen Trompeter".
Weiterhin zu nennen sind: Franz Lochschmidt (Weißkirchen); Joseph Loffl (Werschetz); Kaspar Heck (Modosch); Michael Urschel (Beschka); Mathias Taller (Solymar); Franz Österreicher (Ruma 1869-1941; Johann Österreicher (Ruma); Peter Speckert (Liebling 1861-1941); Silvester Herzog (Budaörs 1893-1968); Martin Hellebrandt (Solymar --176 Stücke); Rudolf Reisner (1904-1941); Nikolaus Bleich,(Orzidorf) und Peter Hoffmann (Schag, von dem beispielsweise 36 Musikstücke aus der Zeit von 1902-1903 vorliegen.

Unter den hier aufgeführten Komponisten sind die folgenden besonders zu erwähnen: Franz Österreicher mit dem Aurelia-Konzertwalzer; Peter Speckert mit der Konzertpolka "Gute Nacht, lieb Vögelein" und Silvester Herzog mit dem Walzer "Wenn zwei sich wirklich lieben".

Von Silvester Herzog stammen eine ganze Reihe schöner Musikkompositionen ab, die zum größten Teil auch große Erfolge zu verbuchen hatten und noch haben. Insgesamt hat er an die 490 Blasmusikstücke geschrieben.

Rudolf Reisner hat in der alten Heimat schon oft für kleinere Besetzungen Kompositionen geschrieben. Kapellmeister, die eine größere Besetzung zur Verfügung hatten, konnten ja dann für die anderen Instrumente die Noten selbst dazuschreiben. Bekannte Stücke von Rudolf Reisner sind unter anderem die "Ida-Polka" und die "Ilse-Polka".

Nach dem zweiten Weltkrieg kristallisierte sich dann eine mehr oder weniger neue Normalbesetzung der Kapellen heraus.
Ein typisches Beispiel hierfür ist die Kapelle von Kornel Mayer aus München. Zusammen mit Robert Rohr hat Kornel Mayer das donauschwäbische Musikgut erneut nach Westeuropa gebracht. Einen großen Anteil am Erfolg der Original Donauschwaben aus München unter Kornel Mayer hatten die alten Heimatkompositionen mit den echten donauschwäbischen Musikstücken. Diese Stücke brachten der Kapelle die größten Erfolge, wobei allerdings nicht die hervorragende Textarbeit von Robert Rohr vergessen werden darf, der in seinen Texten oft ein Dreistufenmuster verwendet, wobei er die Vergangenheit mit dem Umbruch und der Integration in der neuen Heimat verbindet. Am großen Erfolg dieser Kapelle hatte maßgeblich aber auch das Donau-Duo (Resi und Mathias Klein) mit ihren hervorragenden Gesangsdarbietungen Anteil.
Nachfolgend ist die Normalzusammensetzung der Orig. Donauschwaben-Musikkapelle München unter der Leitung von Kornel Mayer aufgeführt:
Es-Klarinette, 1. und 2. Klarinette. 1. und 2. Flügelhorn in B, 1. und 2. Trompete in B, Tenorhorn B, Bariton B, F-Bass, B-Bass, 3 Posaunen und das Schlagzeug, welches von einem Mann bedient wurde.

Bis zum zweiten Weltkrieg wurden von annähernd 20 donauschwäbischen Kapellen an die 250 Tonträger herausgebracht.

Nach dem zweiten Weltkrieg entstanden in der damals trostlosen Zeit Kompositionen wie zum Beispiel der Walzer "Barackenleben" die Polka "In den Baracken" von Silvester Herzog sowie die Polka "Zwischen Donau und Theiß von Franz Gengler aus Subotica.
Es kamen dann aber schon bald Stücke hinzu, die das Heimweh der Donauschwaben ausdrückten. Als Beispiele sind hier zu nennen die Polka "Ferne Heimat" von Johann Mathis aus Billed und die "Heimatpolka" von Martin Drotleff.

Nachdem die Donauschwaben sich in der neuen Heimat langsam integriert hatten, kamen dann andere Kompositionen hinzu, die natürlich auch einen Bezug zur neuen Heimat haben. Zu nennen sind hier der Marsch "Neue Heimat" von Johann Kern aus Gogowa, der Walzer "Am Ossiacher See" von Josef Engler aus Werschetz, die Walzer "Möwen über dem Bodensee" und "Schweitzer Meitli" von Hans Freivogel aus Blagorodovac, der "Wormser Fischertanz" von Sepp Feimer, der Marsch "Gruß an Sindelfingen" und die "Sindelfinger Polka" von Silvester Herzog, der Gersthofener Stadtmarsch von Josef Michl (Ungardeutscher) sowie die Märsche "Neudenauer Stadtmarsch", "Empfang der Astronauten" und Rondevous im All von Josef Marschang aus Mokrin. Die hier zuletzt genannten Musikstücke spiegeln auch die Freude über die neu gefundene Heimat wieder.

In vielen Stücken klingt aber auch heute noch die Sehnsucht nach der alten Heimat wieder. Beispiele hierfür sind die Polka "Die Lustige Batschka" von Johann Mahler aus Bulkes, die Polka: O, liebes Heimatland von Wilhelm Schweitzer aus Vokany, der Banater Ländler von Emmerich Bartzer aus Hatzfeld, der Marsch "Gruß an Alexanderhausen" von Jakob Hensel sowie "Auf nach Weißkirchen" von Franz Bauer aus Kudritz und " Aus dem Neratal" von Franz Lochschmidt aus Weißkirchen.
Aber auch die in der alten Heimat verbliebenen Komponisten brachten eine ganze Reihe schöner Musikstücke nach dem Kriege hervor. Zu nennen sind hier beispielsweise: die Polka "Aus Guttenbrunn" von Johann Schiller (Guttenbrunn), die Polka "Du mein Banater Land" sowie die Ländler "Gedanken der Heimat", " Neusanktpeterer Ländler" und Banater Land von Johann Maser.